Lebensarchitektur

Wer steht hinter Lebensarchitektur?

Lebensarchitektur ist ein Kinder- und Jugendhilfeträger nach SGB VIII, der satzungsgemäß im Kuratorium mehrheitlich von Menschen geführt wird, die als Kinder und Jugendliche selbst in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe gelebt haben.

Ziel dieses einmaligen Kinder- und Jugendhilfeträgers ist ein Paradigmenwechsel in der professionellen Pädagogik zu erreichen und dabei u.a. eine entstigmatiserte „Kinder- und Jugendhilfe“ in Deutschland zu realisieren. „Kinder- und Jugendhilfen“ sind in erster Linie eine Elternhilfen. Daher irritiert schon der Gesetzestitel. Kinder und Jugendliche befinden sich unverschuldet in einer prekären Lebenslage, wenn Eltern Hilfen zur Erziehung erhalten.

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Gemälde: „Unsere Kinder“   von Tanja Tang Kuhn

Kinder- und Jugendliche, die nicht die Bedingungen haben bei ihren Eltern aufwachsen zu können, gelten dagegen auch 25 Jahre nach Einführung des KJHG regelmäßig als Problemfälle. Noch immer ist es für viele überraschend, wenn sie bemerken, dass auch Kinder und Jugendliche aus den rund-um-versorgenden Einrichtungen der Kinder und Jugendhilfe normale Kinder und Jugendliche sind.

Bisherige professionelle Helfer konservieren häufig ein Problemfallbild, das Kindern und Jugendlichen in den Einrichtungen übergestülpt wird. Sie pflegen eine Sprache, die kein Entkommen ermöglicht. Es ist oft unbewusst eine Sprache der Pathologisierung und Stigmatisierung. Professionelle sprechen oft und manchmal unerschütterlich z.B. von „ambulanten“ und „stationären“ Hilfen. „Stationär“ für Kinder und Jugendliche, die nichts anderes brauchen als das was Kinder von ihren Eltern eben brauchen: Ein Zuhause, Geborgenheit, Erziehung, Bindung, Führung und Fürsorge.

Wenn Eltern mit ihren Kindern z.B. frühstücken, kommen Eltern nicht auf den Gedanken, z.B. in die Frühschicht zu gehen. Professionelle handeln regelmäßig an Eltern Statt. Das Herausstellen von Arbeitskontexten vermittelt den betreuten Kindern und Jugendlichen, dass die Betreuer/innen zum Geldverdienen, aber nicht der Menschen wegen zu ihnen kommen. Vieles spricht dafür, dass der pädagogische Erfolg und Misserfolg abhängig vom Selbstverständnis und der Haltung der Fachkräfte ist. Das Grundverständnis der pädagogischen Fachkräfte sollte am Beginn jeder pädagogischen Ausbildungen stehen. Danach sollte jeder entscheiden, ob er diesen Beruf ergreifen will. Nicht umgekehrt!

Lebensarchitektur plädiert dafür, dass die professionellen Hilfen für Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland und Europa ihre klinischen und pathologisiernden Kontexte und Erstannahmen hinterfragen und auf dem Müllberg einer antiquierten Heimpädagogik entsorgen. In einer demokratischen Gesellschaft ist es geboten, dass das Leitbild des normalen Kindes zu einer Erstannahme des SGB VIII wird – auch und gerade, wenn ein Leben bei den Eltern aus den vielfältigsten Gründen nicht möglich ist.

Offenbar müssen staatliche Mittel immer erst noch durch einen „Problemfall Kind“ legitimiert und durch problemschwere Berichte gerechtfertigt werden. Bedarf es einer weiteren Legitimierung von Erziehungshilfen, wenn Eltern für die Erziehung ihrer Kinder nicht zur Verfügung stehen? Erziehung ist Menschenrecht! Ohne Erziehung wäre niemand zur erfolgreichen Teilhabe in unserer Gesellschaft in der Lage.

„Heime“ und „Gruppen“ werden bis heute als exklusive Wohnformen für Kinder kultiviert und Lebensschicksale durch eine sonderbar defizitäre und muffige Heim- und Berufssprache herausgestellt.

Jedem wird suggeriert: Das sind keine normalen Kinder. Normale Kinder haben ein Zuhause, eine Familiengemeinschaft und sind nicht das Arbeitsubjekt, manche sprechen sogar von den „Klienten“ der Erziehenden.

Lebensarchitektur fordert einen Paradigmenwechsel. Bereits in den Ausbildungsgängen der Fachschulen, Hochschulen und Universitäten müssen zeitgemäße Grundhaltungen vermittelt, Ausbildungsstandards gesetzt und eine pädagogische Sprache und Haltung der zukünftigen Fachkräfte erlernt werden.

Bis heute dominiert im Erziehungsalltag der Einrichtungen nach SGB VIII eine Arbeitssprache, die oft mehr am Verständnis eines industriellen Arbeitsalltages als an den emotionalen Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen ausrichtet ist.

Darüber hinaus ist es unverzichtbar, dass ein pädagogischer Abschluss die Fähigkeit zur Erziehung, explizite Erziehungskompetenz, nachweist. Unzählige Abschlüsse gibt es in Deutschland, die pädagogischen Fachkräften die erzieherische Tätigkeit erlauben. Dabei wird allerhand staatlich geprüft. Nur Aussagen zu Erziehungskompetenzen sind bisher in den Qualifikationsnachweisen für pädagogische Fachkräfte nicht zu finden.

Willkommen, die mit uns an diesem neuen Haus bauen und Lebensarchitekten werden wollen!

Ihr

Marco Weiß
Vorsitzender des Kuratoriums
(14 Jahre wohnhaft in Einrichtungen, heute hauptberuflich geschäftsführender Gesellschafter eines IT Unternehmens in Oberbayern)

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